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Faszination Geophagus!

UPD: 01.05.08



Faszination Geophagus - (der Geophagus des Surinamensis - komplexes)

Autor: Andreas Jekel (DCG 55 4195), Copyright: geophagus.de

Bei vielen Aquarianern erfreut sich der Ramirezi oder auch der südamerikanische Schmetterlingsbuntbarsch (Microgeophagus ramirezi) einer großen Beliebtheit. Ein sehr schöner bunter kleiner Buntbarsch der heute in der Familie Geophagini geführt wird, um die größeren Vertreter der Gattung Geophagus, um die es hier eigentlich geht. Der bereits erwähnte Ramirezi, war ein geeigneter Kandidat für eine Ergänzung meines damaligen Südamerika Aquariums. Begeistert von seiner Körperform, Verhalten und Farbenpracht jedoch nicht von der Größe, suchte ich Verwandte größere Arten. Letztendlich durch einen Besuch im Kölner Zoo-Aquarium wurde ich auf die, mir zu dem Zeitpunkt völlig unbekannten, Erdfresser der Gattung Geophagus aufmerksam. Dort werden einige Geophagus Exemplare in einem 20.000 Liter (9m langen, 90cm hohen und 1 bis 3m tiefen) Aquarium zusammen mit Piranhas gepflegt.

Bild im Bild: Geophagus altifrons, Abbildung: Ansicht des 20.000 Liter Aquariums im Kölner Zoo

Erste verwendbare Informationen entnahm ich einigen Berichten der Fachmagazine oder fand auch diese im Internet, schaffte Fachliteratur an, die ich mit höchsten Interesse verfolgte. Bei weiteren Recherchen fand ich unter anderem Berichte mit Inhalten "Geophagus können süchtig machen (J. Albering)" oder auch Titeln "Robuste Schönheiten (W. Darda)". Das waren nicht nur Überschriften und Inhalte die mich mehr als neugierig machten. Nach wie vor fasziniert gewann ich jedoch zunehmend die Erkenntnis, dass ich niemals genügend Lebensraum den im Kölner-Zoo Aquarium gesehenen Geophagus altifrons bieten könnte, festigten sich meine Vorstellungen mit kleineren Vertretern der Gattung Geophagus zu beginnen und diese zu pflegen. Aufgrund der damaligen Beckengröße (390 Liter) kamen nur die kleineren Arten in Frage. Bei meinen ersten Erdfressern handelte es sich um die drei letzten noch bei dem Händler verfügbaren Geophagus sp. Tapajos und vier Geophagus sp. Rio Pindare.

Die Euphorie um Geophagus altifrons hielt jedoch weiterhin an, als meine Planungen für ein neues größeres Aquarium, um auch größere Vertreter der Geophagini-Cichliden pflegen zu können, Gestallt annahmen, bekam ich zufällig meinen ersten G. altifrons geschenkt. Es handelte sich um ein einzelnes Beifangstier einer G. sp. Tapajos Lieferung.

Hintergründig der obigen Aussage "Geophagus können süchtig machen (J. Albering)" sind unter anderem die vielen noch wissenschaftlich unbeschriebenen Arten und oder ihre Verwandtschaft zu den bereits beschriebenen Arten gemeint sowie deren Fortpflanzung, insbesondere gelingt es durch neue Importe weitere auch neue Arten, Populationen oder auch Standortvarianten einzuführen und nicht selten ist eine anfängliche Zuordnung der Tiere bis zum erreichen der Geschlechtsreife problematisch.

rechte Abbildung, das Tier etwa 9 Monate später

Jungtiere sind oft farblos und lassen ihre späte Färbung kaum erahnen. Ihre volle Farbenpracht zeigen diese Fische nämlich erst später und jetztendlich auch Ihre Endgröße mag einige Aquarianer abschrecken. Allein in den letzten 3 Jahren wurden 5 weitere Geophagus-Arten beschrieben, einige Arten warten, auch wenn diese aquaristisch schon länger bekannt sind, noch auf ihre wissenschaftliche Beschreibung. Nachfolgend eine kleine Übersicht einiger Vertreter dieser Gattung.

Die Arten

Die Gattung Geophagus wurde bis vor Kurzem in 3 Gruppen unterteilt, die aktuelle detaillierte Aufteilung stand mir während der Verfassung des Berichtes leider nicht zur Verfügung. Daher verwende ich an dieser Stelle die noch geläufige Zuordnung(nach Kullander) innerhalb der Gattung, auch auf die Gefahr hin, dass diese nicht mehr gültig ist.

Zu den Tieren des G.-brasiliensis-Komlexes werden Arten um "G". brasiliensis gezählt. In die Gruppe der Geophagus- crassilabris-Komplexes finden wir die Arten "G". steindachneri, "G". pellegrini und "G". crassilabris. In der Vergangenheit wurden alle zuvor nicht genannten Geophagus zu der Gruppe der Geophagus, manchmal auch als echte Geophagus erwähnt oder bezeichnet, gezählt. Im Jahr 2004 wurden duch Lopez-Fernandez und Taphorn einge der Arten zu dem s.g. Geophagus-surinaminensis-Komplex zusammengefasst. Wobei hier die Unterteilung der Arten des Geophagus-surinaminensis-Komplexes erfolgt unter anderem am Unteraugenstrich, der entweder zu einem Fleck auf dem Vorkiemendeckel reduziert ist oder gänzlich fällt. Alle nachfolgenden Aussagen und Informationen auf dieser Webseite beziehen sich auf die hier zu letzt genannten Geophagus der Geophagus-surinaminensis-Gruppe.

16 Beschriebene Arten

Einige unbeschriebene Geophagus - Arten

links: Geophagus sp. Areoes, rechts: Geophagus sp.

Einer der bekanntesten und beliebtesten unbeschriebenen Arten dürfte jedoch der Geophagus sp. Rio Tapajos sein, dem ein eigener Bericht gewidmet ist.

Verhalten

Die Bezeichnung Geophagus lässt sich sinngemäß als Erdfresser übersetzen, an dieser Stelle ist der Bezug zum Ernährungsverhalten gemeint. Diese Erdfresser kauen bei der Nahrungsaufnahme den Bodengrund durch, um noch verwertbares Futter aus dem Bodengrund auszusieben. Dabei kann schon mal die eine oder andere noch nicht gut verwurzelte Pflanze rausgegraben werden, insbesondere bei der Fortpflanzung können einige Vertreter der Gattung tiefe Kuhlen ausheben und somit unbeabsichtigt Bepflanzung ausheben. Vorzugsweise wird es an Stellen mit verstärkter Nahrungsansammlung gegraben, auch Steinaufbauten sind oft nur eine Frage der Zeit, bis diese Untergraben sind und aus Sicherheitsgründen vor dem Einsturz entfernt oder umgestaltet werden müssen.

Viele Vertreter der Gattung sind gegenüber größeren und stärkeren Arten außerhalb der Brutpflege nicht so durchsetzungsstark, innerartlich legen die Tiere durch aus eine gewisse Aggression an die Tagesordnung, daher sollten diese Tiere in Gruppen von min 6 Tieren gehalten werden. So werden Aggressionen in der Gruppe verteilt und nicht das schwächste Tier zu permanenten Opfer ausgesucht.

Geophagus altifrons

Teilweise liefern sich schon Jungtiere mit wenigen Zentimetern Größe interessante Kämpfe, die äußern sich durch Flossenschlagen, Drohgebären und Maulzerren. Auf diese weise wird auch eine gewisse Rangordnung festgelegt, in den meisten Fällen jedoch ohne nennenswerte Verletzungen.

Die erwähnten Aggressionen bei Paarhaltung bzw. in zu kleinen Gruppen können teilweise anders verlaufen, oft überlebt der schwächere Fisch den Druck und die Attacken seiner Mitbewohner nicht oder ist gezwungen seinen Schutz nicht zu verlassen. Das schwächste Tier kann regelrecht durch seine Artgenossen terrorisiert werden. Gestresste oder unterernährte Tiere sind nicht so widerstandfähig gegen Krankheiten und so ist oft der Ausgang solcher Situation, der Verlust des Tieres. Erstaunlicherweise konnte ich ähnliches Verhalten bereits nach wenigen Stunden in einem Quarantäneaquarium beobachten. Die stärksten Tiere der 3 Neuzugänge teilten innerhalb weniger Stunden das Aquarium in Reviere auf und verteidigten diese. Dabei zog wie oft das kleinste Tier den Kürzeren. Nach dem Umsetzen zu weiteren Geophagus schwimmen diese vorzugsweise nur noch im Trupp. Junge Neuzugänge werden von einer ausgewahsenen Gruppe ohne Probleme akzeptiert. Hier könnte der Grundsatz gelten, je kleiner die Gruppe um so höher ist die Aggressivität der Tiere untereinander.

Haltung

Aufgrund des angesprochenen Verhaltens, kann nur eine dauerhafte Pflege in geräumigen Aquarien mit entsprechendem Platz für eine oder mehrere Geophagus-Gruppe(n) erfolgen. Daher empfehle ich als absolutes Mindestmaß für die dauerhafte Haltung ein Aquarium mit einer Grundfläche von 150x60 cm.

Entscheidend ist hier jedoch die Grundfläche mehr als das Fassungsvolumen des Aquariums. Der Lebensraum dieser Fische ist Sandfläche, so sollte auch das Aquarium über genügend Schwimmraum verfügen. Einrichtung ist sowohl aus Wurzeln als auch mit flachen Steinen möglich, die hier als Laichplätze dienen könnten. Der künstliche Lebensraum sollte auch genügend Rückzugsmöglichkeiten mit Sichtschutz bzw. Verstecke aufweisen. Eine Strukturierung mit möglichen Reviergrenzen für eine eventuelle Brutpflege ist sehr zum Vorteil für alle Beteiligten.

Eine pflanzliche Dekoration kann das Bild eines Erdfressers - Aquariums ergänzen, so lange der Schwimmraum nicht all zu sehr eingeschränkt wird. In der Regel werden auch keine Pflanzen beschädigt. Bevorzugt sollten jedoch härtere Pflanzenarten werden. Wiederholend aus dem Abschnitt Verhalten, nochmal der Hinweis. Nach einer Neueinrichtung könnte es Probleme mit noch nicht gut verwurzelten Pflanzen geben.

Die Wasserwerte sind in erster Linie für die Haltung nicht entscheidend, sollten jedoch nach Möglichkeit im neutralen oder sauren PH-Bereich liegen, viel mehr zählt die Wasserqualität. Der Filter sollte entsprechend dimensioniert sein, da die Tiere einen hohen Stoffwechsel haben sowie bei der Nahrungsaufnahme viel wühlen. Einige Arten reagieren empfindlich auf belastetes Aquarienwasser. Eine dauerhafte Haltung bei Wassertemperatur unter 27 grad ist nicht zu empfehlen.

Einige Arten zeigen oftmals ihre volle Farbenpracht erst im weichem Wasser. Auch dunkele Becken tragen zum besseren Wohlbefinden der Tiere bei, diese danken Einem mit voller Farbenpracht.

Lebenserwartung

Wichtiger Aspekt bei der Haltung, bevor größere Buntbarsche anschafft werden, ist auch die Lebenserwartung mitentscheidend. Wegen des Platzbedarfs sollte gründlich überlegt werden, in wieweit eine künftige Unterkunft sichergestellt werden kann.

Auch wenn erst wenige sichere Erkenntnisse vorliegen, ist davon aus zu gehen, dass bei den meisten Arten von einer Lebenserwartung von über 10 Jahren zurechnen ist. Mit persönlichen Erfahrungswerten bezüglich des altersbedingten Ablebens von Geophagus- und Satanoperca - Arten kann ich leider nicht viel Erfahrung vorweisen, da meine ältesten Tiere jetzt ca. 5 Jahre alt sind. Daher bin sehr an weiteren Aussagen zum Höchstalter der Tiere interessiert, sollten Sie über Erfahrungswerte verfügen, so nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf.

Vergesellschaftung

Im natürlichen Lebensraum vorkommende Arten, können im Aquarium nicht immer mit einander vergesellschaftet werden, da ein natürliches Biotop, nie mit einem Aquarium, egal welcher Größe, gleichzusetzen ist. Ein Aquarium stellt immer einen begrenzten künstlichen Lebenraum da. Empfehlenswert wäre eine Arthaltung bzw. die Vergesellschaftung mit weiteren verwandten Arten. Die Geophagus sollten nach Möglichkeit den Hauptbesatz, um ihnen entsprechenden Lebensraum bieten zu können, darstellen. Hier muss die Beckengröße berücksichtigt werden, je größer das Aquarium dasto einfacher die Vergesellschaftung. Legendlich als Ergänzung dazu können Tiere nach folgenden Kriterien ausgewählt werden, wobei auch hier aufgrund unterschiedlicher Erfahrungswerte es zu gegenteiligen Aussagen unter den Aquarianern kommen kann.

Meines Erachtens nach sollten z.B. in erster Linie keine Rabauken, wie sie oft unter den mittelamerikanischen Cichliden zu finden sind, vergesellschaftet werden. Insbesondere bei Geophagus-Populationen mit langausgezogenen Filamenten sollte auf Flossenbeisser unter den Salmlerarten verzichtet werden. Auch eine Vermischung der Kontinente ist nicht empfehlen. Ruhige Gesellen, wie z.B. Diskusfische kommen dauerhaft mit den lebhaften Geophagus, spätestens bei der Brutpflege, nicht zu recht. Auch bei der Vergesallschaftung mit Rochen ist vorsicht geboten, hier kam es schon zu Verlusten duch Rochenstiche. Und so könnte die Aufzählung fortgesetzt werden, entscheidend ist am Ende der zur Verfügung stehende Lebensraum. Nicht zu verachten ist auch die Größe der Beifische, da sie versehentlich zum Opfer fallen könnten.

Satanoperca sp., rechts Rochen.

Ernährung

Möglicherweise überlagern sich die beiden Punkte. Zu mal die Vergesellschaftung und Ernährung sehr eng in Zusammenhang gesehen werden sollten. Probleme bei der Ernährung können aus dem sehr gierigem Fressverhalten der Geophagus-Arten resultieren, dabei werden oft andere Mitbewohner zurückgedrängt. Bevorzugt nehmen die Tiere Ihre Nahrung im Bodenbereich auf, jedoch beim Einwerfen stürzen sich diese regelrecht, ohne die Nahrung zu verschmälern, darauf. Bei einer Futterumstellung, kann es wie bei vielen anderen Arten, anfangs leicht widerwillig zur Futteraufnahme kommen, das legt sich jedoch meistens nach wenigen Tagen. Abhilfe bei Vergesellschaftung könnte die Verwendung unterschiedlicher Futtersorten schaffen, indem man für die Erdfresser gut sinkende Sticks oder Granulate und für den Rest beispielweise Flocken verabreicht. So sind die Geophagen etwas beschäftigt und der restliche Besatz kommt auch noch auf Ihre Ration. Diese Lösung ist zwar nicht optimal, aber durchaus einsetzbar, wenn es erforderlich ist Tiere miteinander zu vergesellschaften. Es ist jedoch nur ein Kompromiss. Die Fütterung sollte so abwechselungsreich, wie nur möglich erfolgen, wobei pflanzliche Anteile nicht fehlen dürfen, hier hat sich gekochter Broccoli als beliebtes Gemüse rausgestellt. Auch auf den kleinen Welstabletten, im Handel als "MiniWafer" angeboten, wird gern "rumgekaut", daher eignen sich diese sehr gut als Ergänzung.

Geophagus altifrons

Fortpflanzung

Weiterhin zählt zu der Faszination dieser Gattung unumstritten das Fortpflanzungverhalten. Einige Vertreter sind larvophile (G. sp. Rio Pindare, G. sp. Tapajos, G. winemilleri) andere wieder ovophile Maulbrüter (G. altifrons, G. proximus, G. sp. Rio Areoes, G. parnaibae) auch bei einigen Geophagus-Arten hat sich das Brutverhalten als offenbrütter(G. argyrostictus, G.taeniopareius) herausgestellt.

links: Geophagus sp. Tapajos, rechts: Geophagus altifrons

Bei einer Vergesellschaftung unterschiedlicher Geophagus-Arten kann eine mögliche Hybridsierung umgeganen bzw. minimiert werden, indem man Arten mit unterschiedlichen Fortpflanzungsverhalten vergesellschaftet.

Augenblicklich liegen mir nur wenige Erkenntnisse über eine Kreuzung von Geophagus-Arten vor, auch wenn diese nicht ausgeschlossen werden können. In dem einem bekannten Fall mischte sich bei der Paarung von Geophagus altifrons, ein Geophagus abalios Männchen ein. In dem anderem Fall bestand ein Verdacht, der nicht genauer verfolgt wurde, dass es sich bei Nachzuchten von Geophagus winemilleri um mögliche Hybriden handeln könnte.

Ich möchte an dieser Stelle keines Falls zu Versuchen animieren, sondern auf das Thema bewusst aufmerksam machen. Auch wenn einige der Geophagus-Vertreter den Anschein erwecken können, sie wären unter den Aquarianern sehr beliebt, ist der Absatz von Nachzuchten problematisch, daher sollten Zuchtversuche um die Arten in unseren Aquarien dauerhaft zu etablieren verfolgt werden. Möglicherweise gelingt es mir auch mit meiner Internetpräsenz weitere Aquarianer insbesondere auf die Vertreter des Geophagus Surinamensis-Komplexes aufmerksam zu machen.

Steckbrief sowie weitere Fotos >>

Autor: Andreas Jekel (DCG 55 4195), Copyright: geophagus.de

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